Albrecht Müller, Machtwahn
26.04.2006
Mit seinem Buch "Die Reformlüge" hat Albrecht Müller bereits einen Bestseller gelandet. Damals hat der Volkswirt, der in den 70er Jahren als Redenschreiber für Willy Brandt und als Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt wirkte, die Politik der dauernden Reformen aufs Korn genommen. Jetzt hat sich Albrecht Müller die deutschen Eliten vorgenommen — und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis:

Wortgewaltig beschreibt Müller die neoliberale Gehirnwäsche, denen sich Politiker, Wirtschaftswissenschaftler, Verbandsfunktionäre und auch Journalisten unterwerfen. Er beschreibt die Netzwerke, über die die Wirtschaft ihren Einfluss auf Politik und Medien ausübt. Müllers Abrechnung mit den Eliten ist interessant zu lesen. Leider verbleibt sie allzu sehr an der Oberfläche. Zu kurz kommt die Analyse. Wie konnte es sein, dass nach den sozialliberalen 70er Jahren, als das Selbstbild der bundesdeutschen Gesellschaft von Emanzipation und Aufklärung gekennzeichnet war, dieser völlige Umschwung einsetzen konnte? Dazu bleibt auch Müller letztendlich die Erklärung schuldig. Dennoch ist Machtwahn ein wichtiger Beitrag zur politischen Debatte und zur Einordnung so mancher der sich als alternativlos bekundenden Meinungen, die täglich über uns ausgeschüttet werden.
Albrecht Müller, Machtwahn. Wie eine mittelmäßige Führungselite uns zugrunde richtet, Verlag Droemer, 19,90
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